Rohstoffquelle: Handy

In deutschen Haushalten lagern über 70 Millionen ungenutzte Mobiltelefone und in ihnen wahre Schätze

 

Das Handy ist als Zugangsgerät zur modernen Kommunikationswelt nicht mehr weg zu denken. In Deutschland existieren sogar weit mehr Mobiltelefone als Einwohner – davon wird aber ein großer Teil nicht genutzt:

Durch den kurzen Innovationszyklus der Industrie sind Handys schon nach einem Jahr so veraltet, dass sie von Verbrauchern oft durch neue Geräte ersetzt werden; die alten Geräte verschwinden dann meistens in der Schublade.

In Handys sind allerdings wertvolle Rohstoffe enthalten. Neben Edelmetallen wie Gold, Silber und Palladium werden für die Herstellung auch Kupfer, Zinn und vor allem die sogenannten seltenen Erden benötigt. Mit den Handys werden also auch die darin enthaltenen Rohstoffe von den Konsumenten zurückgehalten und so dem Stoffkreislauf der Wirtschaft entzogen. Da die Produktion neuer Mobiltelefone aber weiterläuft, müssen die benötigten Rohstoffe ständig neu gefördert werden. Das führt aber zu einigen Problemen für Gesellschaft und Umwelt:

Durch den Metallerzabbau und die anschließende Veredlung des Rohmaterials gelangen tonnenweise gifte Stäube und gefährliche Abfallstoffe in die Atmosphäre und das Grundwasser. Außerdem werden vor allem Eisen- und Kupfervorkommen, die für die Handyherstellung notwendig sind, meistens im Tagebau gefördert. Bei dieser Abbaumethode werden oberflächennahe Erdschichten komplett abgetragen. Das Ergebnis ist eine Canyon-artige Wüstenlandschaft, die von der Natur nur schwer wieder zurückerobert werden kann und damit als Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten für lange Zeit entfällt. Hinzu kommt noch der hohe Energieaufwand für die Gewinnung und den Transport der Metalle.

Nicht zu vernachlässigen sind auch die sozialen Probleme der Rohstoffförderung, die meistens in Entwicklungsländern stattfindet. Neben sehr geringen Löhnen leiden die Arbeiter im Metallgewinnungssektor besonders oft unter dem viel zu geringen Sicherheitsstandard am Arbeitsplatz. Aus diesem Grund geschehen immer wieder Unfälle, wie der in einer Aluminium-Mine in China, die Produktionsstätten für das Apple iPhone beliefert. Dort starben infolge einer Explosion fünf Menschen und 77 weitere wurden verletzt.

Warum neu fördern, wenn man auch recyceln kann?

Diese Frage stellen sich immer mehr Politiker, Konsumenten und auch Geschäftsleute. Denn durch die Wiederverwertung der Materialien umgeht man nicht nur die oben genannten Probleme, es lohnt sich auch aus wirtschaftlicher Sicht. 100 Handys enthalten nämlich mehr als doppelt so viel Gold, wie eine Tonne Erzgestein aus einer durchschnittlichen Goldmine. Durch die Nutzung dieser Rohstoffe profitiert auch unsere eigene Wirtschaft, weil sie unabhängiger von ausländischen Rohstofflieferanten wird.

Es gibt also mehr als genug Gründe für die Wiederverwertung der Materialien aus Mobiltelefonen. Deshalb wird den Handyherstellern gesetzlich vorgeschrieben, dass sie für das Recycling von mindestens 65% ihrer verkauften Geräte Sorge tragen müssen. Dass Erreichen dieser Recycling-Quote, hängt aber vor allem von den Verbrauchern ab. Sie müssen die Geräte fachgerecht entsorgen. Um den Käufern genügend Möglichkeiten zu geben, dieser Verantwortung gerecht zu werden, gibt es zahlreiche Sammelstellen für veraltete und defekte Handys. Solche Sammelstellen existieren aber längst nicht mehr nur auf Recycling-Höfen. Auch die meisten Shops, die Handys verkaufen, nehmen die alten Mobiltelefone ab. Aber Wiederverwertung muss nicht immer "Recycling" bedeuten. Viel besser ist es, sein altes Handy zu verkaufen. Damit findet das Gerät noch weiterhin Verwendung und der Verkäufer kann sich über den Erlös freuen.

Wenn Sie vorhaben, sich ein neues Handy anzuschaffen, sollten Sie sich daher unbedingt überlegen, was mit Ihrem alten geschehen soll. Ob VERKAUFEN oder RECYCELN, sie helfen damit der Umwelt, den Menschen in der dritten Welt und sogar der deutschen Wirtschaft.



Titelseite des Jahresberichtes 2013

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